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Jemand wie ich

Manchmal wünsche ich mir, ich würde einem Menschen begegnen, der so ist wie ich. Menschenscheu und ängstlich, viel zu nachdenklich, ernsthaft, auf eine nicht immer sympathische Art verrückt. Gutmütig, aufrichtig, emotional und, was manche Dinge betrifft, mit Feuer im Herzen.

Die Wahrheit ist, ich bin nie jemandem begegnet, dem ich nur annähernd geähnelt habe, solange man meine Mutter, von der ich einige Eigenarten habe, nicht berücksichtigt.

Heute saß ich im Bus. Es war bereits dunkel und es war eine der wenigen Gelegenheiten in den letzten Tagen, dass ich auch mal einen Sitzplatz bekommen hatte. Ich schaute raus und dachte darüber nach, ob ich anders bin. In der Vergangenheit bin ich so oft mit meiner Art angeeckt, oftmals, weil ich mich zu sehr von allen anderen unterschieden habe, ohne jemals stolz darauf gewesen zu sein. Ich mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen, auch, wenn ich auf manche verrückten Eigenarten ein wenig stolz bin, weil sie mich besonders machen. Gleichzeitig habe ich irgendwann aufgehört, davon auszugehen, besonderer als alle anderen oder mit anderen Worten: besonders besonders zu sein. An manchen Tagen bin ich nur offensichtlich anders, nicht besser und nicht schlechter. Ich bin introvertierter als die Mehrheit es ist und gleichzeitig scheine ich mir über Dinge Gedanken zu machen, die niemand anderen in meinem Alter interessieren (und offenbar auch niemanden, der mindestens sechs bis zehn Jahre älter ist). Es gibt so viele Dinge in meinem Kopf, über die ich so gerne mal mit jemandem reden würde, doch es scheint sich nie um etwas zu handeln, über das jemand anderes auch gerne reden möchte.

Ich saß im Bus und dachte daran, dass ich mich manchmal allein fühle, obwohl ich so viele Menschen um mich herum habe, obwohl ich so viel mit meiner Mutter rede und jeden Tag mit Mr. Nevermind zusammen bin. Doch die Wahrheit ist, manchmal wäre es schön, einen Menschen vor mir zu haben, der so ist, wie ich, und der ehrlich versteht, wovon ich rede, weil er es mir nachempfindet. Der all diesen Weltschmerz, die Verzweiflung und die Sehnsucht spürt, die ich an manchen Tagen spüre und sich mit mir diesen Gefühlen hingibt und mir hilft, wieder aus ihnen herauszufinden.

Ich dachte darüber nach, wie absurd es ist, mit jemandem zusammen zu sein, der im Grunde so wenig Gemeinsamkeiten mit mir hat. An vielen Tagen vermisse ich so viel. Ich vermisse das, was ich mir früher, als ich noch keine Ahnung von Beziehungen und Liebe hatte, gewünscht und vorgestellt habe. Weniger als das, was uns in irgendwelchen amerikanischen Liebesgeschichten vorgegaukelt wird und mehr als das, was ich jetzt habe.

Auch dachte ich darüber nach, wie es wäre, mir selbst zu begegnen. "Schrecklich", dachte ich und lächelte dabei meinem eigenen Spiegelbild im Busfenster zu. Ich habe nie einen Menschen kennen gelernt, der schreckschraubenhafter, neurotischer und nervtötender ist als ich selbst. Es gibt Tage, an denen ich mich selbst nur kaum ertrage und ich so eine Wut auf mich selbst empfinde, weil ich nicht in der Lage bin, meine eigene Haut für ein paar Stunden abzulegen. Gleichzeitig habe ich auch noch keinen Menschen kennen gelernt, der nur annähernd so aufrichtig und trotzdem freundlich ist und der es schafft, in einem Gefühl, ob es positiv oder negativ sein mag, so sehr aufzugehen, wie ich es manchmal tue. Das vermisse ich an anderen Menschen manchmal so sehr.

14.11.11 23:56

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