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Liebesgeschichten

Manchmal kommt plötzlich dieses seltsame Gefühl. Ich glaube, es nennt sich Wehmut. Es ist dieses Gefühl, wenn ich plötzlich Bilder vor mir habe, die Wochen, Monate und Jahre zurückliegen. Ich sehe Menschen, die mir was bedeuten oder mal bedeutet haben. Zeiten, die genauso schön waren wie die jetzige oder vielleicht sogar schöner. Zeiten, die nicht mal halb so schön waren. Und jedes Mal kommt die verzweifelte Sehnsucht in mir auf, noch ein Mal all das durchleben zu können. Aus den Augen meines damaligen Ichs die Welt sehen und trotzdem die heutigen Erkenntnisse berücksichtigen.

Ich denke oft an den Langhaarigen und den Fragwürdigen. Der Langhaarige und ich haben uns das letzte Mal vor zwei Jahren gesehen, als ich schon mit Mr. Nevermind zusammen war. Der Wunsch, ihm irgendwann mal zeigen zu können, wer ich bin, ist nie weggegangen. Es gibt viele Dinge, die ich verabscheue und die mich traurig oder wütend machen. Dazu gehört, dass es mich wahnsinnig macht, dass jemand ein falsches Bild von mir hat. Es geht nicht darum, jemandem zu beweisen, wie toll ich bin. Sicher, darum geht es auch. Aber ich möchte nicht, dass jemand glaubt, ich hätte positive oder negative Eigenschaften, die ich einfach nicht habe. Damals habe ich die dumme Göre gespielt. Ich habe über Witze gelacht, die nicht witzig waren und habe Dinge gesagt, die ich nicht mal halb so ernst gemeint habe. Ich habe mich damals wie jemand verhalten, der ich nie war, auch damals nicht und das nur, weil ich in genau diesem Moment nur noch den Wunsch hatte, ihm zu gefallen. Ich war so felsenfest davon überzeugt, dass ich niemandem gefallen könnte, wenn ich so bin wie ich bin. Ich bezweifel, dass mir das noch mal derartig passieren würde.

Ich bin keine dumme Göre. Ich bin unsicher und ängstlich. Wenn man weiß, was es bedeutet, abgelehnt zu werden, wirklich ernsthaft abgelehnt zu werden, möchte man nicht mehr, dass einem das noch mal passiert. Mich verfolgen diese Dinge immer noch und das haben sie damals auch schon. Ich wünschte, ich könnte ihm irgendwann mal zeigen, wer ich bin. Nur damit es mir in meinem Kopf besser geht. Eine Chance will ich nicht. Ich hab Mr. Nevermind und selbst, wenn ich ihn nicht hätte, wäre der Langhaarige schon längst keine Option mehr. Ich habe mich damals nicht nur wie eine dumme Göre verhalten, sondern ich habe auch sämtliche Gefühle und Gedanken ignoriert. Ich weiß nicht, ob ich jemals gelernt habe, soetwas wie Ansprüche zu stellen, wenn es um die Partnerwahl geht. Vielleicht bin ich mittlerweile erst dabei.

Neben dem Langhaarigen begegnet mir der Fragwürdige zur Zeit absurd oft in meinen Träumen. Der Fragwürdige löst etwas in mir aus, das ich nicht beschreiben kann. Vielleicht ist es die Freiheit und das Gefühl von Erwachsensein. Beides habe ich damals erst mit ihm zum ersten Mal richtig gefühlt. Dabei ist er eigentlich ein Versager. Ein Versager mit sehr viel Potenzial. Und trotzdem. Er weiß es einfach nicht zu nutzen. "Du weißt selbst, wenn das damals mit uns geklappt hätte, dann wäre das dein Absturz gewesen". Genau das hat er mir vor nicht mal einem Jahr gesagt. Ich weiß es noch immer. Ich stand ihm gegenüber und nickte. Oft muss ich heute in dem Zusammenhang an den Aufbau von Serien, Filmen und Bücher denken. Es gibt immer wieder Beziehungen zwischen Figuren, von denen von Anfang an klar ist - auch, wenn man das als Zuschauer oder Leser nicht immer wahr haben will -, dass nichts daraus wird. So ist es manchmal auch im wirklichen Leben. Beim Fragwürdigen und mir war es damals so, nur, dass ich offenbar der einzige Mensch war, dem es nicht klar war. Wäre etwas daraus geworden, hätte ich wahrscheinlich irgendwann mein Studium abgebrochen, wäre im Drogensumpf gelandet oder hätte plötzlich ein alternatives Partyleben geführt. Oder was auch immer. Mal ehrlich? Ich? Meine einzige Droge ist die Schokolade und der Gedanke, mein Studium abzubrechen erschien mir so wahrscheinlich wie die Möglichkeit, die Schwerkraft würde plötzlich aufhören zu existieren. Es gibt wahrscheinlichere Probleme, die mir irgendwann passieren werden. Tatsache ist, es gibt Dinge, die nicht passieren, weil eigentlich alles gegen sie spricht. Die Umwelt, das Leben, das innere Gefüge, die eigenen Gedanken. Nur mein Herz. Mein Herz ließ sich damals blenden von der Sehnsucht, einfach geliebt zu werden. Auch damals minimierte ich die Ansprüche auf ein quasi nicht existentes Minimum und damit sprach letztendlich wirklich alles dagegen.

All diese Dinge sind so absurd. Und immer, wenn ich daran denke, frage ich mich, was mit Mr. Nevermind ist. Vielleicht bin ich der einzige Mensch, der einsieht, dass das nicht ewig halten wird. Zwei Jahre sind mir eigentlich lang genug, auch, wenn ich momentan nicht in der Lage wäre, die Beziehung zu beenden. Mr. Nevermind könnte kaum mehr Ecken haben, aber er ist der Mensch, der mich jedes Mal wieder auffängt, wenn ich das Gefühl habe, auf dem Boden aufzuschlagen. Andersrum versuche ich ihn davor zu bewahren, sich irgendwann mit seinem Verhalten wirklich weh zu tun. Aber oft ist es mehr so, als würde ich mit einer undurchdringliche Betonwand sprechen. Vor nicht mal 2 1/2 Jahren war ich fest davon überzeugt, ich würde eventuell niemanden finden, der mich lieben würde. Ein knappes halbes Jahr später befand ich mich plötzlich in einer Beziehung mit Mr. Nevermind. Ob ich damals ehrlich glücklich war, weiß ich nicht. Doch. Ich war es wohl, aber heute würde ich sagen, es war naiv. Die Beziehung war anfangs mit so vielen Problemen übersäht, dass wir uns erst unseren Weg bahnen mussten, doch was daraus geworden ist, gefällt mir.
Ich bin gespannt, wo ich in einem halben Jahr sein werde. An welchem Punkt in meinem Leben. Und wo in 2 1/2 Jahren.

10.11.11 23:38

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