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Gefühlschaos

Plötzlich fühlt sich alles so absurd an. Ich weiß nicht, was ich machen soll und ich merke, wie allein ich im Grunde damit bin, weil ich mich niemandem anvertrauen kann. Ich habe das Gefühl, in dieser Sache niemandem vertrauen zu können. Ich brauche mit nicht darüber zu reden, um zu erfahren, was andere Menschen mir sagen würden. Mit der Person, die es wirklich etwas anginge, kann ich nicht darüber reden. Ich fühle mich beschämt, hilflos und unwohl. Mein Kopf ist eine Mischung aus guten und schlechten Gedanken, die sich gegenüber stehen und gegenseitig zu nichte machen.

Ich habe keine Ahnung mehr, was ich fühle und denke, warum ich das tue, geschweige denn, wie ich damit umgehen soll. Was sagt man jemandem, wenn man das Gefühl hat, dass man sich gemeinsam auf das Ende zubewegt? Ich will nicht so tun, als wäre da keine Liebe mehr. Es wäre einfacher, wenn es so wäre, doch da ist noch haufenweise Liebe. Nur gleichzeitig begegnet mir immer häufiger das Gefühl, dass mir das nicht mehr genügt. Aber würde ich mich für das entscheiden, was ein Teil in mir die ganze Zeit über fordert, wäre ich traurig, allein, furchtbar wütend auf mich selbst, mit einem schlechten Gewissen und würde wahrscheinlich fast alles verlieren, an dem mir was liegt. Würde ich so weitermachen wie bisher, wäre ich einfach nur unzufrieden. Ich mag nicht.

Ich weiß einfach nicht mehr, was mit mir los ist. Und wie immer hoffe ich, dass die Zeit mir die Entscheidung abnimmt. Fast so als wäre das eine gute Idee. Das ist es nie.

1 Kommentar 20.11.11 14:39, kommentieren

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Das alte Gefühl

Ich stand in der Kälte und sah über die Menschen hinweg, die sich ihren Weg an mir vorbei bahnten. Ich wusste, Mr. Nevermind würde geradewegs an mir vorbei laufen. Nur wusste ich auch, dass er sich gerne Zeit lässt, unterwegs einem Dutzend Menschen begegnet oder einfach die Chance nutzt und seine einnehmende Art nutzt, um Kontakte zu knüpfen. Ehrlich, wäre ich so eine einnehmende Person, würde ich das sicherlich auch zu meinem Vorteil zu wissen nutzen. 

Es war kalt und ich merkte, wie die Kälte die Wärme aus meinem Gesicht zog, aber trotzdem blieb ich stehen und wartete. Ich kramte kurz etwas in der Tasche und hörte ein freundliches "Hallo!". Ich drehte mich in die entgegengesetzte Runde und sah geradewegs in das Gesicht eines anderen Menschen, das sich an mir vorbei bewegte, weil dieser Mensch weiterlief. Leider machte ich in dem Moment ein wahrscheinlich wenig attraktives Gesicht und schaute eher so, als hätte mir gerade jemand erklärt, dass es heute Nachmittag Schokolade regnen würde (um das klarzustellen: Ich würde in so einem Moment freudig überrascht aussehen, je nach Glaubwürdigkeit der Quelle). Vor allem schaute ich aber überrascht und sicher auch etwas überrumpelt, weil ich gar keine Chance hatte, mehr als ein verdutztes "Hallo" zu murmeln. Als er schon an mir vorbei war, fragte ich mich, ob ich richtig gesehen hatte. Er hatte sich offenbar verändert. Er sah aus, als wäre er seriöser geworden und aus meiner Sicht noch attraktiver.

Mein Kopf raste. Ich wäre ihm am liebsten hinterher gerannt, hätte ein Gespräch angefangen. Ihn gefragt, wie es ihm geht, erzählt, wie es mir geht. Manchmal wünsche ich mir das so sehr und ich weiß nicht, woher diese Sehnsucht kommt.
Ich wollte in diesem Moment nicht mehr warten, ich wollte nur noch hinterher und alles andere zurücklassen.

Manchmal flammen alte Geschichten immer noch in meinem Kopf auf und ich kann nichts dagegen tun. Gefühle gehen nie völlig weg. Sie werden lediglich älter und von jüngeren, deutlicheren abgelöst. In solchen Momenten möchte ich in ihnen eintauchen, in diesen Geschichten und Gefühlen, sie immer wieder erleben, verändern und umschreiben. Ich möchte sie ergründen, möchte fragen, ob ich der einzige Mensch von zweien bin, dem es so geht. Um zu der einigen wahrscheinlichen Antwort zu gelangen: Ja, das bin ich.

1 Kommentar 15.11.11 23:36, kommentieren

Jemand wie ich

Manchmal wünsche ich mir, ich würde einem Menschen begegnen, der so ist wie ich. Menschenscheu und ängstlich, viel zu nachdenklich, ernsthaft, auf eine nicht immer sympathische Art verrückt. Gutmütig, aufrichtig, emotional und, was manche Dinge betrifft, mit Feuer im Herzen.

Die Wahrheit ist, ich bin nie jemandem begegnet, dem ich nur annähernd geähnelt habe, solange man meine Mutter, von der ich einige Eigenarten habe, nicht berücksichtigt.

Heute saß ich im Bus. Es war bereits dunkel und es war eine der wenigen Gelegenheiten in den letzten Tagen, dass ich auch mal einen Sitzplatz bekommen hatte. Ich schaute raus und dachte darüber nach, ob ich anders bin. In der Vergangenheit bin ich so oft mit meiner Art angeeckt, oftmals, weil ich mich zu sehr von allen anderen unterschieden habe, ohne jemals stolz darauf gewesen zu sein. Ich mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen, auch, wenn ich auf manche verrückten Eigenarten ein wenig stolz bin, weil sie mich besonders machen. Gleichzeitig habe ich irgendwann aufgehört, davon auszugehen, besonderer als alle anderen oder mit anderen Worten: besonders besonders zu sein. An manchen Tagen bin ich nur offensichtlich anders, nicht besser und nicht schlechter. Ich bin introvertierter als die Mehrheit es ist und gleichzeitig scheine ich mir über Dinge Gedanken zu machen, die niemand anderen in meinem Alter interessieren (und offenbar auch niemanden, der mindestens sechs bis zehn Jahre älter ist). Es gibt so viele Dinge in meinem Kopf, über die ich so gerne mal mit jemandem reden würde, doch es scheint sich nie um etwas zu handeln, über das jemand anderes auch gerne reden möchte.

Ich saß im Bus und dachte daran, dass ich mich manchmal allein fühle, obwohl ich so viele Menschen um mich herum habe, obwohl ich so viel mit meiner Mutter rede und jeden Tag mit Mr. Nevermind zusammen bin. Doch die Wahrheit ist, manchmal wäre es schön, einen Menschen vor mir zu haben, der so ist, wie ich, und der ehrlich versteht, wovon ich rede, weil er es mir nachempfindet. Der all diesen Weltschmerz, die Verzweiflung und die Sehnsucht spürt, die ich an manchen Tagen spüre und sich mit mir diesen Gefühlen hingibt und mir hilft, wieder aus ihnen herauszufinden.

Ich dachte darüber nach, wie absurd es ist, mit jemandem zusammen zu sein, der im Grunde so wenig Gemeinsamkeiten mit mir hat. An vielen Tagen vermisse ich so viel. Ich vermisse das, was ich mir früher, als ich noch keine Ahnung von Beziehungen und Liebe hatte, gewünscht und vorgestellt habe. Weniger als das, was uns in irgendwelchen amerikanischen Liebesgeschichten vorgegaukelt wird und mehr als das, was ich jetzt habe.

Auch dachte ich darüber nach, wie es wäre, mir selbst zu begegnen. "Schrecklich", dachte ich und lächelte dabei meinem eigenen Spiegelbild im Busfenster zu. Ich habe nie einen Menschen kennen gelernt, der schreckschraubenhafter, neurotischer und nervtötender ist als ich selbst. Es gibt Tage, an denen ich mich selbst nur kaum ertrage und ich so eine Wut auf mich selbst empfinde, weil ich nicht in der Lage bin, meine eigene Haut für ein paar Stunden abzulegen. Gleichzeitig habe ich auch noch keinen Menschen kennen gelernt, der nur annähernd so aufrichtig und trotzdem freundlich ist und der es schafft, in einem Gefühl, ob es positiv oder negativ sein mag, so sehr aufzugehen, wie ich es manchmal tue. Das vermisse ich an anderen Menschen manchmal so sehr.

1 Kommentar 14.11.11 23:56, kommentieren

Liebesgeschichten

Manchmal kommt plötzlich dieses seltsame Gefühl. Ich glaube, es nennt sich Wehmut. Es ist dieses Gefühl, wenn ich plötzlich Bilder vor mir habe, die Wochen, Monate und Jahre zurückliegen. Ich sehe Menschen, die mir was bedeuten oder mal bedeutet haben. Zeiten, die genauso schön waren wie die jetzige oder vielleicht sogar schöner. Zeiten, die nicht mal halb so schön waren. Und jedes Mal kommt die verzweifelte Sehnsucht in mir auf, noch ein Mal all das durchleben zu können. Aus den Augen meines damaligen Ichs die Welt sehen und trotzdem die heutigen Erkenntnisse berücksichtigen.

Ich denke oft an den Langhaarigen und den Fragwürdigen. Der Langhaarige und ich haben uns das letzte Mal vor zwei Jahren gesehen, als ich schon mit Mr. Nevermind zusammen war. Der Wunsch, ihm irgendwann mal zeigen zu können, wer ich bin, ist nie weggegangen. Es gibt viele Dinge, die ich verabscheue und die mich traurig oder wütend machen. Dazu gehört, dass es mich wahnsinnig macht, dass jemand ein falsches Bild von mir hat. Es geht nicht darum, jemandem zu beweisen, wie toll ich bin. Sicher, darum geht es auch. Aber ich möchte nicht, dass jemand glaubt, ich hätte positive oder negative Eigenschaften, die ich einfach nicht habe. Damals habe ich die dumme Göre gespielt. Ich habe über Witze gelacht, die nicht witzig waren und habe Dinge gesagt, die ich nicht mal halb so ernst gemeint habe. Ich habe mich damals wie jemand verhalten, der ich nie war, auch damals nicht und das nur, weil ich in genau diesem Moment nur noch den Wunsch hatte, ihm zu gefallen. Ich war so felsenfest davon überzeugt, dass ich niemandem gefallen könnte, wenn ich so bin wie ich bin. Ich bezweifel, dass mir das noch mal derartig passieren würde.

Ich bin keine dumme Göre. Ich bin unsicher und ängstlich. Wenn man weiß, was es bedeutet, abgelehnt zu werden, wirklich ernsthaft abgelehnt zu werden, möchte man nicht mehr, dass einem das noch mal passiert. Mich verfolgen diese Dinge immer noch und das haben sie damals auch schon. Ich wünschte, ich könnte ihm irgendwann mal zeigen, wer ich bin. Nur damit es mir in meinem Kopf besser geht. Eine Chance will ich nicht. Ich hab Mr. Nevermind und selbst, wenn ich ihn nicht hätte, wäre der Langhaarige schon längst keine Option mehr. Ich habe mich damals nicht nur wie eine dumme Göre verhalten, sondern ich habe auch sämtliche Gefühle und Gedanken ignoriert. Ich weiß nicht, ob ich jemals gelernt habe, soetwas wie Ansprüche zu stellen, wenn es um die Partnerwahl geht. Vielleicht bin ich mittlerweile erst dabei.

Neben dem Langhaarigen begegnet mir der Fragwürdige zur Zeit absurd oft in meinen Träumen. Der Fragwürdige löst etwas in mir aus, das ich nicht beschreiben kann. Vielleicht ist es die Freiheit und das Gefühl von Erwachsensein. Beides habe ich damals erst mit ihm zum ersten Mal richtig gefühlt. Dabei ist er eigentlich ein Versager. Ein Versager mit sehr viel Potenzial. Und trotzdem. Er weiß es einfach nicht zu nutzen. "Du weißt selbst, wenn das damals mit uns geklappt hätte, dann wäre das dein Absturz gewesen". Genau das hat er mir vor nicht mal einem Jahr gesagt. Ich weiß es noch immer. Ich stand ihm gegenüber und nickte. Oft muss ich heute in dem Zusammenhang an den Aufbau von Serien, Filmen und Bücher denken. Es gibt immer wieder Beziehungen zwischen Figuren, von denen von Anfang an klar ist - auch, wenn man das als Zuschauer oder Leser nicht immer wahr haben will -, dass nichts daraus wird. So ist es manchmal auch im wirklichen Leben. Beim Fragwürdigen und mir war es damals so, nur, dass ich offenbar der einzige Mensch war, dem es nicht klar war. Wäre etwas daraus geworden, hätte ich wahrscheinlich irgendwann mein Studium abgebrochen, wäre im Drogensumpf gelandet oder hätte plötzlich ein alternatives Partyleben geführt. Oder was auch immer. Mal ehrlich? Ich? Meine einzige Droge ist die Schokolade und der Gedanke, mein Studium abzubrechen erschien mir so wahrscheinlich wie die Möglichkeit, die Schwerkraft würde plötzlich aufhören zu existieren. Es gibt wahrscheinlichere Probleme, die mir irgendwann passieren werden. Tatsache ist, es gibt Dinge, die nicht passieren, weil eigentlich alles gegen sie spricht. Die Umwelt, das Leben, das innere Gefüge, die eigenen Gedanken. Nur mein Herz. Mein Herz ließ sich damals blenden von der Sehnsucht, einfach geliebt zu werden. Auch damals minimierte ich die Ansprüche auf ein quasi nicht existentes Minimum und damit sprach letztendlich wirklich alles dagegen.

All diese Dinge sind so absurd. Und immer, wenn ich daran denke, frage ich mich, was mit Mr. Nevermind ist. Vielleicht bin ich der einzige Mensch, der einsieht, dass das nicht ewig halten wird. Zwei Jahre sind mir eigentlich lang genug, auch, wenn ich momentan nicht in der Lage wäre, die Beziehung zu beenden. Mr. Nevermind könnte kaum mehr Ecken haben, aber er ist der Mensch, der mich jedes Mal wieder auffängt, wenn ich das Gefühl habe, auf dem Boden aufzuschlagen. Andersrum versuche ich ihn davor zu bewahren, sich irgendwann mit seinem Verhalten wirklich weh zu tun. Aber oft ist es mehr so, als würde ich mit einer undurchdringliche Betonwand sprechen. Vor nicht mal 2 1/2 Jahren war ich fest davon überzeugt, ich würde eventuell niemanden finden, der mich lieben würde. Ein knappes halbes Jahr später befand ich mich plötzlich in einer Beziehung mit Mr. Nevermind. Ob ich damals ehrlich glücklich war, weiß ich nicht. Doch. Ich war es wohl, aber heute würde ich sagen, es war naiv. Die Beziehung war anfangs mit so vielen Problemen übersäht, dass wir uns erst unseren Weg bahnen mussten, doch was daraus geworden ist, gefällt mir.
Ich bin gespannt, wo ich in einem halben Jahr sein werde. An welchem Punkt in meinem Leben. Und wo in 2 1/2 Jahren.

10.11.11 23:38, kommentieren

Wie er

Es gibt Dinge, über die rede ich nicht oft, obwohl ich sonst so ein redseliger Mensch bin. Es gibt Dinge, von denen ich glaube, dass ich nicht über sie reden sollte, weil die meisten Menschen sie doch nicht verstehen würden.

Ich habe schon als Kind immer versucht, so zu sein, wie er es sich wünschen würde. Das ist schwierig, wenn man jemanden eigentlich nie so gut kennen lernen konnte, um zu wissen, was er sich denn wünschen würde. Als Kind habe ich immer versucht, herauszufinden, was für ein Mensch er war. Um erfahren zu können, ob wir irgendetwas gemeinsam haben. Glaubt man den Menschen, bin ich ihm so unwahrscheinlich ähnlich, doch ich glaube Menschen nicht einfach so. Ich weiß, was sie in mir sehen wollen und was ich sehen möchte. Und ich weiß, wie schnell einen das blenden kann.

Seit einiger Zeit glaube ich, er würde sich wünschen, ich würde es versuchen und auf meine Halbgeschwister zugehen. Seien wir ehrlich. Ich würde es gerne, weil ich denke, es wäre das Richtige und weil ich denke, ich könnte Dinge über ihn erfahren, von denen ich bisher nichts wusste. Mein Gefühl sagt mir, ich sollte es versuchen. Doch so mehr ich es will, um so öfter höre ich die Stimme in meinem Kopf, die der meiner Mutter so ähnlich ist. Was ist, wenn diese Menschen, von denen ich hoffe, dass wir etwas gemeinsam haben, nicht im Geringsten dem entsprechen? 

Machen wir uns nichts vor. Ich bin mir sicher, sie wollen mich nicht kennen lernen. Es ist mein Gefühl, das mir das sagt. Mein Gefühl und mein Verstand. Einer der seltenen Momente, in denen sich die beiden einig sind. Mein Gefühl war bisher meistens zuverlässig. Die Frage ist, solle ich es riskieren? Und auch hier sagt mein Gefühl, ich sollte es. Ich bin kein Mensch für halbe Sachen, ich muss es wissen, nur so könnte ich mich mit einer negativen Antwort abfinden.

Es war vor drei Jahren. Da schrieb mir seine Frau. Ich vermute, sie hat bis zu diesem Zeitpunkt nichts von mir gewusst, denn sie schrieb mir, weil sie meinen Namen in der Zeitung entdeckt hatte. Manche Nachnamen sind einfach nicht häufig genug, um nicht auf die Idee einer Verwandtschaft zu bekommen. Sie schrieb mir, es sei wichtig, seine Familie zu kennen und er und seine Frau würden mich gerne kennen lernen. Ich freute mich damals über den Brief und ignorierte jede Stimme in meinem Kopf, die mich darauf vorbereiten wollte, dass er möglicherweise nie etwas von dem Brief erfahren hatte. Heute bin ich mir sicher, er wusste nichts davon oder wollte es zumindest nicht.

Ungefähr vor vier oder fünf Jahren traf ich sie persönlich. Seine Schwester, die doch eigentlich auch meine ist. Ich lernte damals aus Zufall ihre Tochter in einem Praktikum kennen. Sie war damals noch ein Kind und schien mich zu mögen. Ich mochte ihre Tochter sehr, denn sie erinnerte mich an mein sechsjähriges Ich, nur ein bisschen älter.
Als sie mit ihrer Tochter später direkt mir gegenüber stand, redeten wir nicht. Sie sah mich nicht an und ließ sich nicht anmerken, dass wir verwandt sind. Sie hatte damals die gleiche, unidentifizierbare Augenfarbe wie ich. Meine Mutter hatte schon früher immer gesagt, ich habe seine Augen.

Ich muss mir da nichts vormachen. Nur, weil wir denselben Vater hatten, heißt das nicht, dass wir uns deshalb ähnlich sein müssen. Es liegt sogar nahe, dass sie nichts von ihm haben. Bei all meinen Wunschbildern glaube ich nach allem, was ich weiß, nicht, dass er ein (intriganter) ignoranter Feigling war. Und ich bin es auch nicht.

30.9.11 12:24, kommentieren

Stehen gelassen

Plötzlich standen wir da. Ich war sauer. Nicht so sauer wie ich vielleicht normalerweise bin, denn in mir machte sich neben jeder Wut auch das Gefühl von Gleichgültigkeit breit. Sollte ich mich überhaupt noch aufregen?

Ehe ich mich versah und noch bevor ich zu einer Antwort ansetzen konnte, sagte er mir "Und jetzt bist du wieder sauer. Toll. Weißt du was? Mach doch, was du willst. Ich geh nach hause!" und verschwand. Ich lächelte und ging weiter. Es fühlte sich seltsam an, plötzlich allein zu sein. Seltsam, aber nicht schlimm. Ich überlegte also. Sollte ich mich länger in dieser Menschenmenge hier aufhalten? Mit dem Bus nach hause, wo er dann in unserer Wohnung warten würde mit einem schlechten Gewissen? Oder die zwanzig Minuten laufen? Ich schlenderte durch die Menschenmenge, sah mir diesen und jenen Stand an und vergewisserte mich, dass er nirgendwo hinter mir lief.

Nachdem ich die Menschenmenge verlassen hatte, sah ich ihn. Da war mir klar, wie es weitergehen würde und ich fragte mich, ob ich mich erleichtert fühlte. Nein, Erleichterung war das nicht. Es war nur Genervtheit. Ich lief noch ein Stück, da fuhr er mir mit dem Auto hinterher. Er sah traurig aus und alles, was kam, war "Entschuldigung", als ich die Tür öffnete und ihn erwartungsvoll ansah. Ich stieg ein (mit dem Kommentar, dass ich auch gelaufen wäre). Wir stritten für den Bruchteil der kurzen Fahrt und es blieb beim Schweigen. Bis jetzt.

1 Kommentar 11.9.11 21:09, kommentieren

Unausstehliche Weltverbesserei

Manchmal zweifel ich ernsthaft am gesunden Menschenverstand dieser Bevölkerung. Und dann komme ich manchmal an diesen Punkt, dass ich mir vorstelle, wie ich in fünf bis zehn Jahren in einer abgelegenen Waldhüte lebe und nur noch mit einzelnen Menschen Kontakt aufnehme. Manchmal ist das wirklich ein reizvolles Zukunftsbild.

Ich verstehe schon so lange so vieles nicht mehr. Ich versteh nicht, warum andere Menschen so entsetzlich blind sind und man in dieser Gesellschaft nichts sagen kann, weil man sonst ein unerträglicher Besserwisser, ein paranoider Idealist oder eine entsetzliche Nervensäge ist.

Schon länger weiß ich nicht mehr, wann das überhaupt bei mir angefangen hat. Eines Tages bin ich aufgestanden und war nicht mehr blind für die Dinge, die wir jeden Tag ausblenden, übersehen und verdrängen. Angefangen damit, dass das leckere Essen auf meinem Teller ein totes Tier ist, das extra dafür gezüchtet wurde und deshalb wahrscheinlich ein armseliges Leben hatte. Schon als Kind habe ich manchmal Probleme gemacht und meine Mutter gefragt "Ist es nicht schlimm, dass wir Tiere essen?". Ihre Antwort damals war "Die werden extra dafür gezüchtet" und das gehört zu den Antworten, die ich als Kind angenommen habe. Wenn die Mutter sagt, dass es okay ist, muss es dann nicht auch okay sein? Nein, irgendwie nicht.

Ich find's schlimm, dass jeden Tag unnötig Strom verschwendet wird und damit ein großer CO2-Ausstoß verbunden ist, ohne dass es wen kümmert. Muss der Laptop denn den ganzen Tag an sein, wenn ich eh nicht dran sitze? Und kann ich den Standby-Schalter nicht einfach komplett ausmachen, wenn ich die ganzen Geräte gerade eh nicht brauche?

Das sind nur wenige Sachen, die mich aufregen. Ich könnte weitermachen mit den ganzen Chemikalien, die wahrscheinlich benötigt wurden, um die Kleidung, die ich trage, herzustellen und die gleichzeitig in irgendeinen Fluss in China oder sonst wo gekippt wurden. Alles kein Thema. Aus den Augen aus dem Sinn. Ich bekomm's ja nicht mit, warum sollte ich mich also darum kümmern?

Die Menschen wissen es ja. Sie wollen nur nicht ständig daran erinnert werden. Denn dann müsste man etwas verändern und das wäre anstrengend.

1 Kommentar 9.9.11 19:13, kommentieren

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